Mitfahrgelegenheit
Juni 6th, 2006 08:49 von Redaktion in SonstigesIch bin fleißige Mitfahrerin. Ich glaube, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten dies eine sinnvolle Alternative zum Selbstfahren und – ganz besonders- zur Bahn ist. Allerdings sollte man sich mancher Dinge sehr bewusst sein bevor man in diese Richtung aktiv wird.
Zu aller, aller erst: Der Job des Co-Piloten ist ein sehr verantwortungsvoller! Schließlich übernimmt man die Fürsorge für seinen Fahrer, der, leider Gottes, ab nun die Macht über dein (Über-) Leben in der Hand hält. Man ist mit Einstieg auf den Beifahrersitz mitten drin in der Kommandozentrale und hat gewisse Pflichten und Rechte („Drehste mal die Flasche auf?“ / „Geht Heizung bisschen höher, damit ich die Handschuhe ausziehen kann?“).
Und da bei solchen Internetportalen zwecks Fahrgemeinschaften leider immer noch nicht ein Bewertungssystem wie bei eBay eingeführt wurde, stellt diese Form des Irgendwo-hin-kommens eine Reise ins Ungewisse dar.
Also gilt ab Einstieg für den besonnenen Mitfahrer nur eine Devise: Only the best for my driver! Und dabei muss man von gewissen Dingen Abschied nehmen, wie z.B. Selbstachtung (auf ca. 3qm muss man oft schlimme Kompromisse eingehen, auch, damit man nicht mitten auf der Autobahn sich auf einer Raststätte ohne Fahrer wiederfindet), die Freiheit sich seine Gesprächspartner selbst auszusuchen („Jaja, ein 6- Zylinder Motor ist bestimmt super…“), liebgewonnene Gewohnheiten (essen, rauchen, mitsingen) sowie – und das ist meist das Schwierigste- die autonome Entscheidung womit man sich die nächsten Stunden musikalisch beschallen lässt.
Manchmal, aber nur manchmal, hat man als Frau (yeah!) das Glück, auf einen Mitfahrer zu stoßen der einen cool oder sonst was findet, der ist dann über die Bemühungen meinerseits sehr entzückt und versucht seinerseits mich zu beeindrucken, dies ist ein guter Ansatz Musik zu steuern („Wollen wir mal Radio hören, wegen Nachrichten und so…?“), artet aber (zu) oft in Schweißhände aus („Toller Wagen! Aber fährt der auch unter 180 kmh?“).
Ich kann hier aber feststellen, dass Mädchen gern Radio hören oder Robbie Williams und ich kann bei Jungs schon bei der Begrüßung einschätzen, was mich musikalisch die nächsten Stunden erwartet. Jemand schon mal 8 Stunden „Scooter“ am Stück hören müssen? Da ist das Gesparte verglichen zur Bahn zugleich Schmerzensgeld.
Schlussendlich erfährt man auf solchen Fahrten immer viel zu viel („Bei mir und meiner Freundin läufts im Bett nicht mehr so…“ dann genaue Ausführungen über die sexuellen Vorlieben des Paares und was die Freundin nicht bereit ist zu tun) oder viel zu wenig (Beim Rauslassen am Zielpunkt: „Ach ja Maria, da bin ich ja froh, dass wir angekommen sind, die Bremsen sind nämlich echt morsch“) oder genau richtig („Hm, meine Telefonnummer hast du jetzt ja…“ zwinker, zwinker).
Es empfiehlt sich in jedem Falle immer genug Proviant mitzunehmen (Stau, Hunger des Fahrers, extrem viele Zwischenhalte,…) sowie einen Vertrauten, der einem zum Abfahrtspunkt bringt („Julia, wenn ich da nicht mitwill, dann sag ich, „viel Glück“ und du nimmst mich unter einem obskuren Vorwand einfach wieder mit!!“). Und, auch das habe ich schmerzlich gelernt, vereinbare den Preis im Vorfeld („Hä? Wieso soll ich jetzt die gesamten Spritkosten zahlen, da hätte ich ja auch allein fahren können?!?!“).
Mein ganz persönliches Resümee: Wenn man Bock auf Sozialstudien zum Nulltarif, verbunden mit günstigem Reisen hat oder einen Partner/ Freund/ Job/ Anti- Vorbild/Nervenkitzel sucht: Los geht’s!…und gute Reise!


