Nebenjob: Politiker

April 5th, 2007 16:39 von Redaktion in Flensburg

Von SALLY FLINDT-HANSEN

Simon Petersen ist 21 Jahre alt, studiert Internationales Management und ist Vorsitzender der Jugendpartei Junge SPitzen.

Er ist in Tondern geboren und aufgewachsen und gehört zu der deutschen Minderheit nördlich der Grenze. Er hat einen deutschen Kindergarten und eine deutsche Schule besucht und kam mit 16 das erste Mal mit den Jungen SPitzen in Verbindung, indem er auf ein Rekrutierungswochenende eingeladen wurde.

„Junge Spitzen ist die größte Jugendpartei Sønderjyllands. Sie wurde 1998 gegründet, von jungen Nordschleswigern, denen politische und kulturelle Angeboten für die Jugendlichen der Minderheit fehlten,“ erklärt Simon. „Kraft der Junge SPitzen gibt es jetzt ein kulturelles und politisches Forum für die Jugendlichen, die der deutschen Minderheit in Nordschleswig
gehören.”

Es sind 200 Mitglieder in der Partei Junge SPitzen, wovon neun in dem Vorstand und sechs Stellvertreter sind. Die Mitglieder sind zwischen 14-35 Jahre alt (danach darf man nicht mehr Mitglied einer Jugendpartei sein).

Minderheit sein

Im Gegensatz zu anderen politischen Parteien hat Junge SPitzen keine feste politische Richtung. Dahingegen gibt es mehrere politische Orientierungen in der Partei. „Das, was uns in der Partei verbindet, ist das Thema „Minderheit sein“. Wir arbeiten für die deutsche Minderheit in Dänemark, für ihre Rechte und Bedingungen. Die politische Vielfalt und die unterschiedlichen politischen Meinungen können natürlich Meinungskonflikte und lange Diskussionen geben. “Aber das macht nur Spaß”, meint Simon.

Junge SPitzen ist nicht nur Politik. Politik macht nur 50% der Arbeit und der Veranstaltungen aus. „Es gibt auch viele
andere Veranstaltungen. Zum Beispiel richtig fette Parties“ sagt Simon mit breitem Lächeln. „Wir beschäftigen uns aber gerne mit Europapolitik. Wir sind sehr pro-Europa. Und selbsverständlich diskutieren wir die ganz allgemeinen politischen Fragen, die nichts mit Minderheiten zu tun haben. Wie zum Beispiel zur Zeit die Raucher-Politik“

Wohnsitz Flensburg

Junge SPitzen können nicht selber für eine Wahl kandidieren. Kandidaten von den Jungen SPitzen können aber für die Mutterpartei SP (Schleswische Partei) zur Kommunalwahl aufgestellt werden. SP stellt in den 4 südjutländischen Gemeinden, Apenrade, Sonderburg, Tondern und Haderslev auf. Weiter nördlich gibt es keine deutschen Minderheiten. Bei der letzten Wahl hatte die SP fünf Kandidaten von den Jungen SPitzen.

- Aber warum für die deutsche Minderheit in Dänemark arbeiten, wenn du selber in Flensburg wohnst?

„Ja, das haben schon viele gefragt. Viele Jugendlichen ziehen von dem Grenzland weg, um irgendwo anders zu studieren. Aber das Identitätsgefühl, „Deutscher Nordschleswiger“ zu sein, bleibt unverändert in mir drin. Ich möchte auch gern irgendwann wieder zurückziehen.“

Simons Interesse für die Minderheiten entstand schon früh, indem er die deutsche Schule in Apenrade besuchte und auch zu Hause häufig mit seinen Eltern darüber sprach. „Es ist mir immer bewusst gewesen, dass wir Teil einer Minderheit waren. Ich habe es einfach mit der Muttermilch gesaugt. Genau deswegen ist es so spannend, sich mit der Minderheitspolitik zu beschäftigen. Es geht ja MICH an!“ sagt Simon und fügt hinzu: „Darüber hinaus finde ich auch, dass es einen positiven Aspekt im Grenzland schafft, dass sowohl für die deutsche, als auch für die dänische Minderheit gearbeitet wird.“

Bis vor 30-40 Jahren nach dem 2. Weltkrieg haben sich die deutsche Minderheit in Dänemark und die dänische Minderheit in Deutschland nicht verstanden. Sie wollten beide, dass die Grenze anders gezogen werden sollte. Sie waren eher Feinde und wollten nicht zusammenarbeiten trotz ihres gemeinsamen Interesses: Minderheit sein.

Heute stellt es aber kein Problem mehr da. Junge SPitzen arbeitet auch mit anderen Jugendparteien zusammen, beispielsweise Sozialdemokratische Jugend (DK) und Europäische Jugend.

„Jeder 7. Europäer gehört auf irgendeiner Weise zu einer Minderheit. 2008 machen wir ein großes YzyEN-Seminar in Sønderjylland, für 150 Jugendlichen aus ganz Europa, die alle Teil einer Minderheitsbevölkerung sind“. [YEN= Youth of European Nationalities. Red.]

Simon wurde Februar 2006 Vorsitzender der Jungen SPitzen. Er wurde auf der Generalversammlung vorgeschlagen – und gewählt. Es gibt jedoch keinen großen Kampf um den Vorsitzendentitel. Es geht nur darum geeignet zu sein, und vor Allem – Lust zu haben. Man muss sich für die Sachen einsetzen und viel arbeiten. „Als Vorsitzender schreibe ich zum Beispiel alle Einladungen zu Generalversammlungen. Ich muss auch vieles strukturieren und einen großen Überblick haben. Ich setze einen großen Arbeitsaufwand ein. Glücklicherweise sind es im Vorstand sehr tüchtige und gute Leute, ohne sie wäre die ganze Arbeit gar nicht möglich“.

Alles wird im Vorstand besprochen und es besteht täglicher Mailkontakt. „Es kann ein bißchen überwältigend sein, habe ich 2 Tage lang meine Mailbox nicht abgerufen“ sagt Simon und fährt fort: „Wir entscheiden immer gemeinsam, was wir machen wollen. Es mag ein Konzert in Hamburg sein oder ein Themenabend über Europapolitik. Oder eine coole Party!“

5 spontane Fragen:

  • Welche Staatsbürgerschaft hast du?

Die dänische.

  • Fühlst du dich eher deutsch oder dänisch?

Ich bin deutscher Nordschleswiger.

  • Wie antwortest du dem griechischen Straßenhändler auf deinem Charterflug, der dich fragt „where are you from?“

Dann sage ich dass ich aus Dänemark komme… Es sei denn, er kennt sich mit der Minoritätsproblematik aus. Dann erzähle ich gerne, wie es zusammenhängt.

  • Was meinst du über Minderheiten im Allgemeinen?

Man muss zwischen ethnischen (wie zum Beispiel Türken in Dänemark) und nationalen Minderheiten unterscheiden. Manchmal sind die Minderheiten mit etwas Negativem verbunden, weil die übrige Bevölkerung findet, sie seien asozial. Aber wenn die Minderheiten einfach ihre Wurzeln (Traditionen/Sprache/Religion) beibehalten dürfen, kommen sie in der Gesellschaft viel besser klar.

  • Welche Zeitung liegt auf deinem Schreibtisch?

Unter Anderem Der Nordschleswiger. Sie ist richtig gut. Da kann man gut überdänische als auch deutsche Politik lesen. Und selbstverständlich Grenzpolitik/Minderheitspolitik.

Junge SPitzen

- Von den Mitgliedern der Jungen SPitzen gibt es eine 50/50 Frauen-Männer Verteilung.
- In dem Vorstand fehlen Frauen.
- Der Nordschleswiger ist die deutsche Zeitung in Nordschleswig.
- Flensborg Avis ist die dänische Zeitung in Südschleswig.
- SP (Schleswische Partei) ist die Partei für die Deutschen nördlich der Grenze. Ihre Jugendpartei heisst Junge SPitzen.
- SSW (Südschleswischer Wählerverband) ist die Partei für Dänen südlich der Grenze. Ihre Jugendpartei heisst SSWU.





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