Podcasting

April 17th, 2007 14:41 von Redaktion in Campus

Von TOBIAS THIER

Audiomitschnitte von Vorlesungen sollen unser Studentenleben erleichtern: Welche Vorlesungen gibt es bereits als Podcasts und wo findet man sie überhaupt?

Oliver Wendt und Lars Helge Rüter, Studenten an der FH, haben das hiesige Podcasting-Projekt an FH und Uni angestoßen und sind die beiden Köpfe hinter den Kulissen des Podcasting-Konzepts. Im Interview verraten sie uns, wie das Podcasting seinen Weg nach Flensburg fand und wie die Studenten an „ihre“ Podcasts kommen.

  • Oliver, Was hat es mit dem Projekt Podcasting auf sich und wie kam es dazu?

    Ich habe vor etwa eineinhalb Jahren von der Podcast-Initiative der Stanford University gehört und war begeistert von der Idee, Vorlesungen aufzuzeichnen und sie anschließend Studenten zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Idee bin ich dann über den Campus gelaufen und habe einzelne Dozenten angesprochen, ob sie sich nicht gerne an so etwas beteiligen möchten. Das erste Feedback war allerdings nicht sonderlich groß, da das Thema Podcasting recht neu war, und vielleicht auch der eigentliche Nutzen dahinter nicht so gesehen wurde. Letztendlich konnte ich meinen Marketing Professor, Prof. Dr. Alexander Klee, für die Idee gewinnen und wir haben vergangenen Jahres seine Vorlesung Grundlagen Marketing an der FH aufgezeichnet und per Podcasts publiziert. Die anschließende Resonanz war erstaunlich groß, etwa 80 Prozent der Studenten in dem Kurs haben unseren Podcast genutzt. Mittlerweile gibt es an der FH darüber hinaus auch die Vorlesungen Grundlagen der Wirtschaftsinformatik und Betriebliche Informationsverarbeitung als Podcasts.

    • Welche Ziele hat das Projekt genau und was haben wir Studenten von den Podcasts?

    Wir finden es einfach eine tolle Sache, wenn man die Vorlesung aufzeichnen und im Nachhinein noch einmal anhören kann. Podcasts erlauben uns Studenten also ein zeit- und ortunabhängiges Lernen. Man kann Podcasts nicht nur ergänzend zur Klausurvorbereitung und zur Nacharbeitung der Vorlesung einsetzen, sondern man muss nicht mehr um 13.15 Uhr in die Vorlesung gehen und dort eineinhalb Stunden sitzen; man kann dann eben auch abends um 20 Uhr zuhause „zur Vorlesung gehen“.

    Genau genommen handelt es sich bei dem hiesigen Angebot eigentlich um einen erweiterten Podcast, der vollautomatisch parallel zur Wiedergabe der Audioaufzeichnung auch die Folien aus der Vorlesung auf dem heimischen Computer präsentiert. Man kann also wie in der richtigen Vorlesung dem Vortrag und dem Dozenten folgen.

    Darüber hinaus ist es natürlich auch für die Hochschulen eine sehr interessante Sache, da wir neben den Hochschulen in Osnabrück zu den ersten in ganz Deutschland gehören, die ihren Studenten solche didaktischen Methoden anbieten und mit verhältnismäßig geringem Aufwand einen echten Mehrwert schaffen.

    • Lars Helge, Wie fand das Projekt nach seinem erfolgreichen Start an der FH seinen Weg an die Uni?

    Über die Apple User Group konnten wir dank Simon Fietze, der das Projekt zusammen mit Oliver später an der Uni initiiert hat, Kontakte zur Uni knüpfen und auch dort Dozenten für unsere Idee gewinnen. Wir haben von der Uni Mittel für einen studentischen Mitarbeiter bekommen um das Projekt operativ zu betreuen; seitdem bin ich nun seit Anfang letzten Semesters mit im Team und betreue das Podcasting an der Uni. Bis jetzt war das ganze auch noch ein Pilotprojekt, bei dem wir im vergangenen Semester viel lernen konnten; insbesondere auch im Hinblick auf die ganze Technik die hinter den Aufzeichnungen, der anschließenden Aufbereitung sowie der Publikation steht. Das Ganze ist im Wintersemester 2006/07 in den Veranstaltungen Statistik 1, Umweltökonomie 1 und VWL 1 erfolgreich verlaufen, und es wird dieses Sommersemester weitergehen – hoffentlich mit noch mehr Dozenten.

    • Wie kommen die Studenten nach der Vorlesung an die Podcasts?

    In der ersten Veranstaltung stellen wir den Teilnehmern einer Vorlesung das Podcasting und seine Möglichkeiten in einer Demonstration vor. Hier zeigen wir allen die Homepage, über die die Podcasts abgerufen werden können, und wie man schließlich in den passwortgeschützten Bereich gelangt, in dem die Podcasts sich befinden. Die Zugangsdaten erfährt man also direkt in der jeweiligen Vorlesung. Mit dem neuen Semester soll das Podcasting-Angebot aber besser in die offiziellen Seiten der Hochschulen integriert werden, so sind sie dann zukünftig leichter zu finden. Sollte man Probleme mit dem Zugang oder die erste Vorlesung des Semesters verpasst haben, kann man sich natürlich jederzeit auch einfach an uns wenden. Sollte es mal größere Probleme geben, kann man auch gerne seinen Rechner einfach zu uns mitbringen und dann helfen wir unkompliziert weiter. Im passwortgeschützten Bereich der Podcasting-Homepage findet man auch noch einmal ein Video wie alles funktioniert sowie unsere Kontaktdaten.

    • Wie reagieren die Studenten auf die Aufzeichnung der Vorlesungen: Gibt es weniger Wortmeldungen oder andere Auswirkungen?

    Hier hat sich nach unserem Eindruck nichts geändert. Die Studenten melden sich nicht weniger zu Wort, da haben wir keine Bedenken. Eine wichtige Sache ist aber, dass der Dozent Fragen aus dem Publikum noch einmal wiederholt, da sie sonst oftmals auf der Aufzeichnung nicht zu hören sind.

    • Meint ihr, es werden – dank Podcasts – weniger Studenten in den Vorlesungssälen sitzen und sich dafür später lediglich die Mitschnitte anhören?

    Das glauben wir nicht. Die Leute, die eh nicht kommen wollen, bleiben auch ohne Podcasts der Vorlesung fern. Wir glauben es wird vielmehr wirklich als Ergänzung der Vorlesung aufgenommen, um sie nachzuarbeiten oder sich auf die Klausur vorzubereiten.

    Viele Studenten möchten ja auch gerne Fragen stellen und insofern ist also ganz klar kein Ersatz – von sozialen Bindungen und Verpflichtungen einmal ganz abgesehen.

    • Nehmen wir an es ist Freitag 16.15 Uhr und meine letzte Vorlesung fängt gerade an. Wann steht der Podcast im Internet zur Verfügung?

    Prinzipiell geht das recht zügig, es hängt aber immer ein bisschen von der Veranstaltung und der damit Verbundenen Zeit für die Nachbearbeitung des Rohmaterials ab. Je nachdem wie der Dozent sie hält, brauchen wir bei einigen Veranstaltungen eigentlich nur am Anfang und am Ende ein bisschen zu kürzen und können den Podcast gleich online stellen. Bei größeren Pausen oder vielen Folienwechseln während der Vorlesung müssen wir mehr nachbearbeiten und dementsprechend dauert es auch länger. Aber in der Regel ist es spätestens am nächsten Tag online.

    • Warum empfehlt ihr ausgerechnet iTunes zum Abruf der Podcasts? Schließlich gibt es auch andere kostenlose Programme mit denen das ebenfalls möglich ist, und die nicht gleich ein ganzes Musikgeschäft auf dem Computer der Kommilitonen installieren?

    Im Grunde ist es egal welchen Podcatcher man verwendet, das ist auch mit anderen Programmen möglich und das kann jeder handhaben wie er möchte. Wir empfehlen iTunes, da es recht unkompliziert zu handhaben ist und darüber hinaus mit der Audio auch die Videospur – also die Folien der jeweiligen Vorlesung – wiedergeben kann, was andere Programme nicht unbedingt unterstützen. Man kann das Podcast auch per Kapitel strukturieren, um mit einem Klick gleich zu der Folie zu springen, zu der man gerne möchte. Die Programme, die wir getestet haben, konnten das leider nicht. Mit iTunes funktioniert das alles reibungslos.

    • Und warum Podcast und nicht einfach ein MP3-Downloadarchiv?

    Das ist einfach eine Frage des Komforts. Normalerweise muss der Benutzer jedes Mal auf die Homepage gehen und sich selbst die Inhalte holen. Als Podcast wird das ganze nun regelrecht an den Konsumenten herangetragen, der so ganz automatisch immer die aktuellsten Inhalte auf dem Computer hat.

    • Wie lange wird es noch dauern, bis wir wirklich alle Vorlesungen als Podcast per Internet abrufen können?

    Alle Vorlesungen? Das ist schwer! Der Knackpunkt ist hier nicht die Technik, es muss einfach bei den unterschiedlichsten Menschen die Bereitschaft und Motivation zur Nutzung solcher neuer Medien da sein. Außerdem ist nicht jede Veranstaltung Podcast-fähig. So machen Podcasts beispielsweise bei Veranstaltungen mit viel Interaktion in kleinen Gruppen nicht unbedingt Sinn. Aber insbesondere für Vorlesungen im Grundstudium eigenen sich Podcasts optimal.

    • Wie werden die Podcasts von euch produziert?

    Um das Ganze zu produzieren, verwenden wir das Programm ProfCast, das es nur für Apple gibt. Die Software klinkt sich praktisch in die Vorlesung ein und schneidet neben dem Ton auch gleich alle gezeigten Folien mit. Nach einer kurzen Aufbereitung kann das Podcast gleich veröffentlicht werden.

    An der Uni bauen wir derzeit noch unmittelbar vor der Vorlesung einen Rechner und ein bisschen Audiotechnik zum Aufzeichnen auf, und sind während der Veranstaltung vor Ort. An der FH ist das nicht mehr nötig. Das Programm ist so einfach zu bedienen, dass die Professoren das nun ganz alleine nutzen können – vorausgesetzt, sie verfügen über einen Computer von Apple.

    • Glaubt ihr, die Leistungen der Dozenten werden durch Podcasts transparenter?

    Unser privater Wunsch ist es, dass die Podcasts öffentlich und nicht in einem passwortgeschütztem Bereich zugänglich sind. Es könnte schon recht interessant sein, wenn sich auch andere Dozenten die Vorlesungen der Kollegen anhören und es könnte vielleicht auch zu einem konstruktiven Austausch kommen.

    Ganz persönlich sehen wir Podcasting darüber hinaus auch als eine hervorragende
    Chance - sowohl für eine Hochschule als auch für jeden Dozenten - sich zu vermarkten und interessante Inhalte über einen modernen Vertriebskanal anzubieten.





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