Warum das Uni-Hauptgebäude ein Uni-Gebäude ist und kein Parkhaus für die Campushalle

Mai 28th, 2008 18:49 von Redaktion in • Universität

Von CORNELIUS BEUKE

Seit über fünf Jahren befindet sich die Uni nun auf dem Campus – doch die Gerüchte über die wahre Bestimmung des Universitätsgebäudes halten sich hartnäckig. Neueste Version: Die Uni als Gefängnis-Bausatz. Ein guter Zeitpunkt, die Gerüchteküche aufzuräumen.
Zugegeben: Untersucht man die Betonsäulen im Gebäude einmal genauer, so erinnert die Konstruktion tatsächlich an einen Bausatz bekannter Spielzeughersteller. Fachlich korrekt spricht man allerdings von einer „flexiblen Stahlbetonrahmenkonstruktion mit Aluminium-Pultdach“. „Flexibel“ heißt dabei aber nicht gleich, dass sich das Ganze problemlos in ein Parkhaus oder Gefängnis hätte verwandeln lassen – obwohl die versetzten Ebenen dafür sprechen würden. Tatsächlich ist das Gebäude nur als Universität gedacht und wurde sogar nur für diese entworfen. Das Landesbauamt  (heute GMSH) errichtete es in Eigenregie, wobei der Raumbedarf zuvor schwer zu ermitteln war. Die Gebäudeplanung musste mehrmals umgeworfen werden. Das ist also mit „flexibel“ gemeint. Und da erscheint es doch praktisch, dass sich die Dozentenbüros prima durch Gipskarton-Platten vergrößern, verkleinern oder teilen lassen – für ein Gefängnis wäre eine solche Bauform allerdings denkbar schlecht geeignet.
Der Kanzler der Uni, Herr Kupfer, erläuterte mir die rein praktischen Gründe der Bauform: Zum einen wären da die kurzen Wege zwischen Dozenten- und Seminarräumen. Dies sei bei vielen anderen Universitäten anders. Zum anderen sollten die Unterrichtsräume eine gewisse Höhe aufweisen, damit nicht „dicke Luft“ herrscht. Für die „Dozenten-Karnickelställe“, wie sie ein Professor einmal so schön nannte, ist solch ein Luxus nicht drin. Aber dafür ist die Uni mit allerlei Hightech ausgestattet: Elektrische Außenjalousien und elektrische Tafelverstellungen und elektrische Gardinen und elektrische Türen. Nur die meisten Fenster lassen sich nur von Hand bedienen – da können wir froh sein, wenn sie überhaupt noch zu öffnen sind, denn es gab schon so einige Probleme mit der Mechanik.
Ein mittlerweile in Ruhestand getretener Dozent wagte einmal scherzhaft zu behaupten, wir Studenten würden den Zusammenbruch der Uni noch erleben. Manchmal scheint es, er habe nicht ganz Unrecht mit dieser Vermutung gehabt – man erinnere sich an den Deckeneinsturz im Kunst-Trakt (6. Stock) Ende des letzten Semesters (die Presse berichtete). Die Erklärung lautet, dieser Raum sei damals der „Musterraum“ gewesen, um die passende Deckenverkleidung auszusuchen – da hat man die „Testversion“ gleich hängen lassen, weil sie gefiel. Dass diese nicht ordnungsgemäß befestigt war, steht wohl fest. Glücklicherweise ist eine solche Unzulänglichkeit in anderen Räumen nicht festgestellt worden, so dass wir wenig Angst haben müssen, uns könnte auch einmal die Decke auf den Kopf fallen…
Apropos „Kunst“: Hat sich jemand mal über die interessante Farbgestaltung der Sichtbetonwände gewundert? Das ist Kunst! Denn die „Bemalung“ lief über den Etat für „Kunst am Bau“ (Scheinbar war das restliche Geld alle…). Deshalb darf da auch nicht einfach etwas übergepinselt oder angeschraubt oder übergeklebt werden, das erfordert Genehmigung von oben, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Doch ob schön oder nicht, so mancher wird frühmorgens allein an den Farben merken, ob er sich ins richtige Stockwerk verlaufen hat.
Das Dilemma im 6. Stock war leider nicht der einzige Mangel innerhalb der recht kurzen Standzeit: Der Landesrechnungshof SH stellt eine ganze Liste an Vorkommnissen zusammen. Das Dach war wiederholt undicht, der Bodenbelag war optisch mangelhaft und musste noch beschichtet werden und die Probleme mit den Fenstern habe ich bereits erwähnt. Wer sich gerne mit großen Zahlen beschäftigt, kann sich im Netz auf die Suche nach den damit zusammenhängenden Kosten machen.
Um den Spaß an spannenden Gerüchten und Geschichten nicht zu verderben, weise ich an dieser Stelle auf den Anbau der Uni hin – Baubeginn 2009. Vielleicht tun sich da Möglichkeiten für neue Spekulationen auf, mit denen die nächste Generation Studierender unterhalten werden können.

kaputter Vorlesungssaal





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