Warten auf das Referendariat

Mai 31st, 2008 18:15 von Redaktion in • Universität

Von FLORIAN SCHNITTKER

Studierenden wird im Allgemeinen nahe gelegt ihre Studienzeiten möglichst kurz zu halten. Gründe dafür gibt es viele, sicherlich spielt für die meisten auch die persönliche Lebens- und Karriereplanung eine nicht unwesentliche Rolle. Auch Lehramtsstudenten bilden keine Ausnahme von dieser Regel. Also: Studieren, 1. Staatsexamen, Referendariat, 2.Staatsexamen und ab in den Beruf. Fakt ist jedoch, dass auf nicht wenige, vor allem angehende Realschullehrer zuerst einmal eine ungute Überraschung wartet.
So gingen z.B. im Sommer letzten Jahres 449 Bewerbungen um einen Platz im Vorbereitungsdienst der Laufbahn der Realschullehrerinnen und -lehrer  beim Ministerium für Bildung und Frauen in Kiel ein. Aufgrund der fehlenden Bereitschaft von  zu vielen Schulen, Ausbildungsstellen für Lehramtsstudenten anzubieten, wurden im selben Zeitraum aber nur 141 Plätze vergeben.
Hierbei richtet  sich das Auswahlverfahren natürlich in erster Linie nach dem Examensdurchschnitt und der Kombination der Fächer.
Vergleicht man einmal die Anzahl der freien Referendariatsplätze des letzten Sommers mit der der eingegangenen Bewerbungen, so stellt man fest, dass 308 Realschullehrer in spe im wahrsten Sinne des Wortes sehen können, wo sie bleiben.
So genannte Härtefälle, wie z.B. Studentinnen, die ein Kind erwarten, sind von diesem Problem glücklicherweise nicht betroffen. Die Tatsache, dass 25 % der offenen Ausbildungsplätze unter  Bewerbern verteilt werden, die sich bereits auf der Warteliste befinden, wirkt wohl für den einen oder anderen  Betroffenen, von denen manch einer seit vier Semestern oder länger wartet, wie Hohn, wenn man bedenkt, dass die zu vergebenen Plätze in diesem Jahr sogar noch seltener und damit auch begehrter werden.
De facto handelt es sich um 500 Bewerber für 90 Referendariatsplätze. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, wie z.B. unserem Nachbarn Hamburg, sieht das Ministerium für Bildung und Frauen auch keine Maximalwartezeit vor.
Umso unverständlicher wird dieses Zahlenverhältnis, wenn man Kenntnis von der Tatsache hat, dass jedes Jahr alleine in Schleswig-Holstein rund 700 Lehrer in Rente gehen! Bei der großen Anzahl junger und engagierter Lehramtsstudentinnen und -studenten, die noch auf einen Referendariatsplatz warten, drängt sich manchem wohl die Frage auf, ob diejenigen Stimmen Gehör finden, die den Lehrermangel in Deutschland für das schlechte Abschneiden der Schüler u. a. bei der PISA-Studie verantwortlich machen.

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