FH trainiert Schiffsführung und „Seebeine“

Januar 13th, 2009 05:15 von Redaktion in • Fachhochschule

Bericht vom neuen Flensburger Schiffsführungssimulator mit Brücken- und Radarsimulatoren

Von MARC PAYSEN

Die Fachhochschule Flensburg hat eine maritime und damit auch nautische Ausbildungstradition. Diese wurde am 31.10.08 entscheidend wiederbelebt. Wissenschaftsstaatsekretär Jost de Jager war aus Kiel zur Eröffnung des neuen Schiffsführungssimulators an der Fachhochschule erschienen, um vier neue Brücken- und Radarsimulatoren für die nautische Ausbildung an der FH in Betrieb zu nehmen. Von 800.000 Euro Kosten hat das Land 750.000 übernommen und wird zukünftig den Bau eines neuen Gebäudes gegenüber der Campushalle investieren, in dem der Simulator letztlich seinen Einsatzort finden soll. Derzeit ist der Simulator mit seiner Brückenattrappe mit zugehörigen Instrumenten und einer 270°-Rundleinwand im Hauptgebäude installiert. Mehr als 50 vernetzte Computer können auf der Leinwand und den Instrumenten hochkomplexe Szenarien der Weltmeere abbilden. Auf die Leinwand können zahlreiche Schiffstypen (Bulk Carrier, Öl- und Gastanker, Kreuzfahrtschiffe, Fähren), Wetterlagen (Regen, Schnee, Sturm, Windböen) und sogar Flugzeuge projiziert werden, die die zukünftigen Schiffsführer einschätzen lernen sollen.
Der Staatssekretär eröffnete den Simulator mit einer simulierten Ausfahrt aus der Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel. Während er in die Kieler Förde steuerte, geriet er in den sich kreuzenden Kurs zweier Fähren, zwang eine Fähre zum Stillstand und setzte sein Schiff an der Fahrrinne des gegenüberliegenden Ostufers beeindruckend auf Grund. Die Havarie bewies, wie schwerfällig „Dickschiffe“ auf Ruderkommandos reagieren – oder hatte der Computerleitstand dem Staatssekretär schelmisch einen Ruderversager eingespielt? Nachdem das Schiff wieder manövrierfähig war, nahm es Kurs auf die Kieler Außenförde. Die geladenen Gäste merkten, welchen Einfluss die Kimm (sichtbare Horizontlinie auf See) auf das Gleichgewichtsempfinden des Menschen hat. Die Computer simulierten schwere See, indem sie auf die Leinwand eine schwankende Kimm projizierten. Die Brückengäste neigten leicht ihre Körper und Köpfe, um die optisch schwankende Kimm auszugleichen. Tatsächlich gab der Boden im FH-Gebäude keinen Millimeter nach. Allein die optische Täuschung führte ansatzweise zu mulmigem Gefühl, wie bei der Seekrankheit.
Die Rundumsicht der Leinwand bot ein beeindruckendes Panorama, dem sich die Landratten schwer entziehen konnten. Wer bekommt in seinem Leben die Möglichkeit, mehrere tausend simulierte Tonnen Stahl zu steuern? Der FH-Rektor Prof. Dr. Boy war sichtlich erfreut, der Öffentlichkeit das neue System vorzuführen zu können. Während wechselweise Regen oder Schnee an die „Brückenfenster“ bzw. die Leinwand klatschten, versuchten sich weitere Rudergänger. Zwar kam es noch zu einer „Kollision“, aber abgesehen von den Vorfahrtsrechten auf See war man sich einig, einen sehr realistischen Eindruck der Schiffsführung, der Trägheit von Schiffsbewegungen und Auswirkung von Ruderlagen gewonnen zu haben. Die einzig fehlenden Eindrücke waren die Stampfbewegung des Schiffes in rauer See und das Gekreische der Seemöwen, die vermutlich bald auch in das System eingespielt werden können. Der Simulator scheint vorerst ausgebucht zu sein, da er für den Campus eine Attraktion ist und sogar einen Phänomenta-Effekt bietet. Abzuwarten bleibt, ob die FH nicht eine Schnupperstunde anbieten wird.





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