Leere Provokation

Januar 15th, 2009 12:42 von Redaktion in Rezensionen

Charlotte Roche`s “Feuchtgebiete”

Von DANIELA ZIMMERRIEMER

Der alte, strenge und faltige Feminismus, also Alice Schwarzer, hat ausgedient. Jetzt kommt Charlotte Roche. Allem voran ihr Erstlingswerk „Feuchtgebiete“, das in seinem pinkfarbenen Einband schön klischeehaft weiblich ist. Das Image der Autorin, ehemals Viva-Moderatorin, verspricht einen jungen, hübschen, schlanken Feminismus. Der Titel ihres Buches regt die lasziv-erotischen Fantasien des Käufers an. Doch dem vergeht nach der dritten detaillierten Beschreibung vom Pickelausdrücken oder getrockneten Sperma unter den Fingernägeln die Lust am Tabubruch, die sich beim Lesen schnell in eine anstrengende Langeweile verwandelt. Ein Feminismus, dem die Inhalte fehlen. Und nicht nur das. Charlotte Roche kreiert in ihrem Roman ein pornographisches Frauenbild, wovon so mancher Mann träumen mag: jung, willig, verdorben und etwas zerbrechlich.
Neben allen Obszönitäten, die die Welt der 18-jährigen Protagonistin Helen zu bestimmen scheinen, existieren gleichwohl subtile Elemente, die aber feministische Themen kaum berühren: Helen, ein Scheidungskind, will ihren Krankenhausaufenthalt verlängern, damit sich Vater und Mutter im Krankenhaus begegnen und wieder zueinander finden. Darum verliert sie, durch eine selbst beigefügte Verletzung am ohnehin schon verwundeten After, fast ihr Leben. Zu welch absurden Taten sind Menschen – wohl gemerkt nicht Frauen – fähig, um ihren Seelenschmerz zu lindern? „Feuchtgebiete“ ist ein moderner Roman, der die Absurditäten der heutigen Zeit zum Thema macht. Aber als Auftakt zu einer neuen feministischen Bewegung taugt er nichts. Er funktioniert eher wie ein typischer medialer Skandal: Sexuell provozierend. Und das war auch schon alles. Helen ist zwar eine Kämpferin, die allerdings gegen sich selbst kämpft, und zum Schluss rettet ein Mann das arme Mädchen aus seiner Misere und reitet mit ihr auf seinem Drahtesel davon.





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