BLINK! Die Macht des Moments
Januar 17th, 2009 15:00 von Redaktion in RezensionenVon CHRISTINE FISCHER
Wie oft habt Ihr im Leben schon den Satz gehört: Erst denken, dann handeln? Sei es, dass euch die Oma einen gut gemeinsten Ratschlag geben oder der Freund Euch damit indirekt auf einen Fehler aufmerksam machen wollte. Dieser Satz begegnet einem im Laufe des Lebens immer wieder. Der Autor Malcolm Gladwell hat sich genau dieser Thematik gewidmet und beschreibt in seinem Buch „Blink! Die Macht des Moments“ das genaue Gegenteil dieser Aussage. „Adaptives Unbewusstes“ wird der Teil des Gehirns genannt, der auf der Grundlage von Erfahrungen blitzschnell spontane Entscheidungen trifft. Aber inwieweit trauen wir unserem Spontanurteil? Wird uns nicht an der Universität bzw. Fachhochschule beigebracht, dass man so viele Informationen wie nur möglich benötigt, um eine sichere und vertrauenswürdige Aussage zu einem bestimmten Thema fällen zu können? Und genau dieser Frage steht Malcolm Gladwell skeptisch gegenüber.
Sein Buch basiert auf drei wichtigen Anliegen seinerseits. Zum einen versucht er seine Leser davon zu überzeugen, dass spontane Entscheidungen nicht schlechter sein müssen als lang überlegte Entscheidungen. Weiterhin widmet er sich der Frage, wann man seinem Instinkt vertrauen sollten und wann nicht. Und als letztes möchte er Wege aufzeigen, wie man seine Spontanurteile verbessern und deshalb besser zugänglich machen kann. Auf diese Wege wartet man beim Lesen jedoch vergeblich. Dennoch überzeugt der Autor durch seinen lockeren, fließenden und erschreckend einfachen Schreibstil und beschert dem Leser einige Aha-Erlebnisse.
Das Buch „Blink! Die Macht des Moments“ ist im Piper Verlag erschienen und besteht aus sechs Kapiteln. Alle wissenschaftlichen Aussagen erklärt und begründet Malcolm Gladwell mit Hilfe von Beispielen und Situationsschilderungen. Dabei setzt er Themen wie beispielsweise Ärztefehler, Diskriminierung und die Arbeit der amerikanischen Polizei in den Kontext instinktiver Entscheidungen und erklärt hieran die Komplexität des Unbewussten.
Weiterhin beschreibt er Studien und Experimente, die sich mit der Thematik des Unbewussten direkt oder indirekt befassen. Und so kommt es, dass sich der Leser mit einem Mal in einem Liebeslabor bei John Gottmann befindet. Er und sein Team beobachten mit Hilfe von Videoaufnahmen, Elektroden und Sensoren das Verhalten von Paaren. Der Mann und die Frau setzen sich auf Stühle, die zwei Meter voneinander getrennt stehen und sollen sich dann über ein banales Alltagsthema unterhalten, welches in der Beziehung immer wieder zum Streit führt. Die Videoaufnahme wird anschließend mit Hilfe der SPAFF (spezifischer Affekt) Methode analysiert. Das ist ein Kodierungssystem mit 20 verschiedenen Kategorien. Die Kategorien decken jede mögliche, menschliche Stimmung ab. Jede Sekunde des Videos wird dann einer Kategorie zugeordnet. Nach der Analyse eines sechzigminütigen Gesprächs eines Paares kann John Gottmann mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob das Paar in 15 Jahren noch verheiratet bzw. zusammen sein wird, oder nicht. Erstaunlich, oder?!
Das Buch beschreibt einen Teil eines typischen Gebietes der modernen Psychologie auf einfache Weise. Und auch wenn man dem einen oder anderen Teil kritisch gegenübersteht und das Geschriebene vielleicht nicht 100%ig glauben mag, so stellt sich an anderen Stellen dann doch der Aha-Effekt ein und man findet sich in der Situation wieder. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal „reinzuschnuppern“.


