Drum prüfe, wer sich bindet
Januar 18th, 2009 15:34 von Redaktion in CampusStudienfinanzierung in Zeiten der Finanzkriese schwierig
Die Möglichkeiten, sein Studium zu finanzieren, sind zahlreich. Wer hierbei auf einen der heiß beworbenen Studienkredite setzen möchte, sollte sich seine Entscheidung in Zukunft besser zweimal überlegen.
Von JULIA CARSTENS
Leicht wurde es ihnen von Anfang an nicht gemacht. „Schuldenfalle“ und „Abzocke“, diese Wörter fielen oft, wenn man in Internetforen oder im Bekanntenkreis von Krediten zur Studienfinanzierung sprach. Doch einige Studenten sehen sie als letzte Möglichkeit zur Durchführung ihrer Ausbildung.
Wenn jobben zeitlich einfach nicht drin ist, das Bafög zum Leben nicht ausreicht oder man sowieso keines bekommt, weil der familiäre Hintergrund angeblich zu betucht ist, dann bleibt nicht mehr viel übrig. Klar, Stipendien gibt es mehr als man denkt und so manche Eltern sind bereit, für den Lebensunterhalt ihres Sprösslings aufzukommen. Doch was ist, wenn alle Stricke reißen? Gerade in Zeiten von (drohenden) Studiengebühren sind viele Studenten auf finanzielle Hilfen angewiesen. Dieses Dilemma kennen die Bankmitarbeiter genau – ihre Lösung des Problems heißt „Studienkredit“, oder, wie eine Flensburger Bank es locker flockig bezeichnet: „Spafök“. Jeden Monat lacht das Konto über Bares, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Keine nervigen Fragen, sondern die Gewissheit, mit dem ausgezahlten Betrag über die Runden zu kommen. Klingt toll? Ist es nur bedingt. Zwar werben viele Anbieter mit einem „super niedrigen festen Sonderzinsen“ (zumeist um die 5 Prozent) während der Auszahlungszeit, doch danach droht ein Anstieg auf bis zu 9 Prozent! Dieser Aspekt betrifft besonders Geistes- und Sozialwissenschaftler, die nach der abgeschlossenen Ausbildung nur selten sofort einen festen Job finden. Stattdessen hangelt man sich von Praktikum zu Praktikum und die Rückzahlung zieht sich oft über Jahre hin. Die Bank freuts, das Konto des Kreditnehmers weniger.
Eine kräftige Zinsanhebung erfolgte erst kürzlich zur Beginn der Finanzmarktkrise. Wie „heise.de“ Mitte Oktober berichtete, stieg beispielsweise der Zinssatz für Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – man erinnere sich an die Lehman-Überweisung - binnen zwei Jahren von 5,2 auf satte 7 Prozent! Die vertraglich festgelegte Obergrenze von 9,2 Prozent ist damit nicht mehr weit. Mit weiteren Erhöhungen im Laufe des nächsten Jahres sei zu rechnen. Begründet werde diese Entwicklung von dem Unternehmen mit der „Entwicklung am Kapitalmarkt“ – obwohl sich der Leitzins nachweisbar gesenkt hat. Andere politische Parteien haben sich – im Gegensatz zu Bildungsministerin Anette Schavan – kritisch gegenüber diesem unverständlichen Sachverhalt geäußert.
Viele andere lokale Studien- und Bildungskreditanbieter ziehen nach und heben ihren Zinssatz kräftig an. Die Zeiten „studienfreundlicher“ Zinssätze scheinen endgültig vorbei. Dabei hatte sich doch sogar Schavan als große Anhängerin der Studienkredite geoutet und die KfW beauftragt, ein solches Produkt zu entwickeln. Die kürzlich vollzogene Anhebung der Bafög-Sätze schien dagegen nicht ganz nach dem Geschmack der Ministerin zu sein – durchgesetzt wurde sie letztendlich zum Glück doch noch. Auch sollen bis zum Jahr 2012 sechs Milliarden Euro zusätzlich in die Bildung investiert werden, was hoffentlich auch den Studenten zugute kommt. Bei den vielen baulich maroden Universitäten jedoch ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Wiederum melden sich andere politische Lager zu Wort und äußern ihren Unmut. Sie fordern genauere Zielformulierungen um das Geld auch sinnvoll einzusetzen.
Auch wenn die Unis eine Finanzspitze erhalten – am (Über-)Lebensalltag vieler Studenten ändert das wenig. Das erste Gebot für klamme Studis lautet deshalb: Informieren! Denn: drum prüfe, wer sich ewig bindet…


