Unberührte Halblehrer

Januar 19th, 2009 18:40 von Redaktion in • Universität

Erster Bachelor-Jahrgang 2008 beginnt Master-Studium

Von FLORIAN REIMERS

Es ist geschafft. Die Universität Flensburg hat es geschafft. Die Studenten sind geschafft: Knapp 260 Studenten der ehemalig ca. 600 Bachelorstudenten der Vermittlungswissenschaft nehmen den Masterstudiengang „Master of Education“ auf.
Zeit also, ein Resümee zu ziehen. Es gilt das Motto: „Zeigt mir einen Studenten, der nur Gutes über die Uni Flensburg erzählen kann“. Es gibt Begrüßungsgeld. Für den Master darf gehofft werden.
Der Versuch der Universität als Vorreiter in Schleswig-Holstein die Lehrerausbildung schnell und effizient – einige Stimmen sagen überstürzt – auf Bachelor und Master umzustellen, hat eine Bruchlandung erlebt. Akkreditierung ausgesetzt. Ein GAU. Denn als Qualitätsmerkmal sagt es nichts Gutes über den Hochschulstandort Flensburg aus.
Dazu wirkt ein polyvalenter Bachelor vor dem Hintergrund der Verantwortlichen, die Lehrerausbildung von Schleswig-Holstein in Flensburg zu konzentrieren und sie an der Uni selbst als wichtiges Standbein auszubauen, als Hochschulpolitik aus dem Elfenbeinturm. Wenn das Bildungsministerium dann als Argument der finanziellen Situation der Uni auf eine (Zitat) „brandneue“ Hochschulbibliothek verweist, darf an dieser Stelle einmal herzlich gelacht werden.
Dazu geht ein Gespenst um an der Universität Flensburg. In unsicheren Zeiten ist neoliberales Denken ‚in’. Das Prinzip der maximalen Kursausbeute bei minimalem Arbeitsaufwand gilt als das ungeschriebene Gesetz an der Uni. Hausarbeitsseiten werden heruntergehandelt und Referatsminuten gedrückt wie auf dem Basar. Immer den Workload im Auge. Geiz ist geil. Welcher Kurs ist benotet, was muss ich tun – Referat und Ausarbeitung oder nur Referat und Klausur? Die Jagdsaison auf Kredit- oder Leistungspunkte und die dazu gehörigen „weichen“ Dozenten ist seit dem Wintersemester 2005 eröffnet. Professoren, die zuviel verlangen, werden demokratisch ignoriert. Oder gar eliminiert, wenn man dem Wunsch einiger Studenten als Dozent nicht entspricht, die Prüfungen auf keinen Fall in die letzte Vorlesungswoche zu legen. Aber vielleicht wäre es wirklich besser, die Klausuren in den ersten Wochen des Semesters zu schreiben, dann würde der Umfang derselben auch nicht studentenunfreundliche Ausmaße annehmen. Darüber sollte nachgedacht werden.
Ein anderes Ärgernis wenn man zurückblickt ist sicherlich die halbjährliche, meist mehrstündige, mitternächtliche Anmeldephase im Onlineportal „Studiport“. Zwar nimmt sie insgesamt nur einen Randplatz der Kritik ein, die Möglichkeit zum Belegen von einer Vielzahl an gleichen Veranstaltungen stimmt da schon eher wütend. Ein Kurs wird gewollt, zehn andere Veranstaltungen werden mit einem „Sitzplatz“ geblockt. Am letzten Tag wird sich dann fünf Minuten vor Ende kollektiv abgemeldet. Die Folge: In einem Kurs sitzen in kuscheliger Atmosphäre 15 Kommilitonen. Da ist es selbst in der Campussuite voller. Das einige Studenten später garkeinen (!) Kurs wählen konnten, dürften die Verantwortlichen wohl als Kollateralschaden werten.
In der Rubrik „Fächer, die die Welt nicht braucht“ finden sich äußerst seltene Exemplare, deren erlernte Kompetenzen sogar vor Urzeiten nie an oder in einer Schule gesichtet wurden. Zwar soll ein polyvalenter Bachelor nicht nur auf die Schule vorbereiten, sondern auch Einblicke in andere Berufssparten geben. Doch dazu müsste es Einblicke in die Schule im Bachelor wohlgemerkt erst einmal überhaupt geben. Apropos Einblicke in die Schule im (MINI-)Master: Pädagogik wird auch im so genannten Studiengang der Pädagogischen Studien eher klein geschrieben (der Autor hat insgesamt 6 Didaktikkurse), aber das hier nur am Rande.
Nicht zu vergessen ist im Rückblick natürlich der allgegenwärtige, tägliche Konkurrenzkampf zwischen den alten „POLern“ und den neudeutschen „Bachelors“. Seminarplätze sind erstmal für die Neuen reserviert und während die „POLer“ traurig von dannen trotten, treffen sie von hinten neidische Blicke: „Die müssen ja viel weniger machen als wir, wie gemein.“ Der Workload könnte ja noch einmal gedrückt werden, wer weiß. Eine neue Generation von Egoisten. Von zukünftigen Lehrern.





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