In ist, wer drin ist: Social-Networks
Januar 26th, 2009 17:55 von Redaktion in WebtrendsVALERIE PSZOLLA
Bei StudiVZ, Facebook und Co. lauern viele Gefahren für die Nutzer
Informationen austauschen, chatten, mit Freunden in Kontakt bleiben, neue Leute kennen lernen und überdies noch Geschäftskontakte knüpfen – dies alles bieten die neuen Plattformen im World Wide Web. Online- Netzwerke, ein Trend der kein Ende zu nehmen scheint und seit Jahren boomt.
Die eigentlichen Gefahren für die berufliche Zukunft werden meist unterschätzt oder mit positiven Argumenten untermauert.
Es gibt viele unangenehme Nebenwirkungen, welche eine Mitgliedschaft mit sich bringt. Wie einfach demnach private und geschäftliche Geheimnisse gelüftet werden können, Wirtschaftsspionage erfolgen kann und sogar Datenklau, zeigt die aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts. Die Nutzer sozialer Netzwerke sind vor keiner Gefahr sicher.
Facebook und StudiVZ waren vor wenigen Jahren noch unbekannte Namen. Der Zugang zu Online-Netzwerken weist lediglich geringe Eintrittsbarrieren auf und die Mitgliederzahlen dieser Communities wuchsen stetig. Heutzutage kann man von einer neuen Art der Massenmedien sprechen. Facebook ist beispielsweise in Amerika die siebthäufigst besuchte Website. Was treibt die User zu diesem “digitalen Exhibitionismus”?
Die Nutzer vertrauen den Netzwerken freiwillig die persönlichsten Dinge an. Teilweise kann man bis zu 120 Informationen über sich vermitteln und es scheint keinen zu stören, denn man tröstet sich ja mit dem Hintergrund, dass die Daten nur für die Community sichtbar sind. Schließlich sind nach innen meistens wenige Barrieren erwünscht, da man sich mit der gewünschten Aufgabe von Privatsphäre und Anonymität oft Aufmerksamkeit verspricht. Der stetige Zuwachs registrierter Freunde ist ebenfalls ein Anreiz. Bisweilen sind es meistens Jugendliche bis 35 Jahre, welche die so genannten „social netzworks“ nutzen. Auffallend ist, dass Themen, wie Unterhaltung, gesellschaftliche Geschehnisse aber auch Flirten und sexuelle Kontakte im Vordergrund stehen.
Es ist paradox, da sich viele User durchaus bewusst sind, dass bei sorgloser Selbstdarstellung im Web unangenehme Überraschungen die Folge sein können. Die Gefahr wird jedoch oft mit dem Argument beschwichtigt, dass man zurzeit ja nur studieren würde. Es würde niemanden interessieren und später ändert man sein Profil. Doch wie lange kann man sein Profil noch zurückverfolgen? Manchmal nützen auch alle Vorsichtsmaßnahmen nichts, weil sich an völlig unerwarteten Stellen Sicherheitslücken auftun. Über diesen Aspekt machen sich die wenigsten Gedanken. Ganz eindeutig lässt sich sagen, dass soziale Netzwerke den Grundgedanken des Datenschutzes widerlegen.
Laut einer Studie recherchieren rund ein Drittel der Arbeitgeber über Bewerber bei StudiVZ. Rund ein Viertel der Arbeitgeber haben sich auf Grund der Profile von StudiVZ auch schon einmal gegen einen Bewerber entschieden. Eine Umfrage einer Studiengruppe der FH Flensburg ergab, dass Arbeitgeber durchaus StudiVZ nutzen, um sich über zukünftige Arbeitnehmer zu informieren und für sie auch in Frage kommt, Bewerber auf ihre Profile anzusprechen.
Wie sicher die Daten bei den Online- Netzwerken tatsächlich sind, hat das „Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie“ untersucht. Die Studie verweist dabei auf deutliche Unterschiede bei den Netzwerken. Ist StudiVZ sicherer als Facebook oder doch umgekehrt?
Die Untersuchung der Netzwerke MySpace, Facebook, StudiVZ, Wer-kennt-wen, Lokalisten, Xing und LinkedIn durch das Institut fand von März bis August 2008 statt. “Von den getesteten Plattformen konnte keine vollständig überzeugen”, sagt Studienautor Andreas Poller.
Zielsetzung der Studie war vor allem, wie sicher sind die Daten wirklich und wie groß ist die Gefahr, dass potenzielle Arbeitgeber ungewünscht die Profile der Nutzer sehen können? Es interessierte die Forscher demnach, ob es wirklich möglich ist, Teile des Profils nur für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen und ob gesperrte Informationen nach außen dringen können.
Den Forschern war das Paradoxon Informationsaustausch und Schutzbedürfnis durchaus bekannt und von daher rückte bei ihnen in den Vordergrund, wie die Nutzer den Informationsfluss bewusst steuern können.
Von Interesse waren bei der Untersuchung Daten, welche die Privatsphäre betreffen. Demzufolge die Informationen, die eine Gefahr für potenzielle Jobangebote liefern. Das Datenschutzgesetz bezeichnet solche Informationen in §3 Absatz 9 „Politische und Religiöse Überzeugungen“ oder auch „Hinweise auf die Gesundheit oder sexuelle Vorlieben“.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie lassen sich in folgende Punkte zusammenfassen:
1. Datenverwaltung und Kontrolle
StudiVZ, Facebook und MySpace bieten Möglichkeiten die eigenen Daten zu verwalten und zu steuern. Dennoch ist eine optimale Kontrolle des Informationsflusses der eigenen Daten insbesondere bei StudiVZ und Facebook nicht gegeben. Weniger positiv vielen die Ergebnisse für die übrigen untersuchten Netzwerke aus.
Eine mangelhafte Note gab es bei allen Netzwerken hinsichtlich ihrer Standardkonfigurationen. Der Datenschutz ist hier nur sehr geringfügig vorhanden. Den Nutzern wird demnach dringend empfohlen diese schnellstmöglich zu ändern. Zugriffskontrollen sind entweder gar nicht vorhanden oder untauglich.
2. Freier Zugang zu Bildern und Videos
Auch wenn man selbst mit den eigenen Daten sparsam umgeht, können eigene Daten durch so genannte Verlinkungen im weltweiten Netz landen.
Besonders erschreckend war das Ergebnis hinsichtlich der Bilder und Videos der Netzwerke. Nutzer haben die Möglichkeit Freunde auf Bildern zu verlinken, doch diese URLs sind sofern bekannt für jedermann zugänglich. Das heutige WorldWideWeb bietet noch keine Möglichkeit diese zu verschlüsseln. Die Gefahr besteht demnach darin, dass potenzielle Arbeitgeber diese Links direkt ansteuern oder andere ungebetene Gäste die Bilder bzw. Videos sehen. Hierbei stellt sich die Frage, wie Arbeitgeber die schwierig verschlüsselten Links auffinden sollen, doch auch hierfür bietet Web 2.0 bereits hilfreiche Suchmaschinen an, um diese URLs zu finden. Ein Beispiel hierfür ist die Suchmaschine „Polar Rose“.
3. Ein Profil bedeutet oft ein Informationsangebot für immer
Überdies untersuchte das Institut den Umgang mit gelöschten Profilen. Selbst nach Löschung des Benutzerkontos blieben einmal gemachte Angaben unter Umständen noch länger im Internet präsent. Bei Facebook ist die Löschung z.B. gar nicht vorgesehen und bei StudiVZ oder My Space relativ einfach. Dennoch zeichnen sich auch bei der Löschung des Profils deutliche Unterschiede auf z.B. bleiben Foreneinträge und Kommentare bei StudiVZ stets mit dem Autorennamen anonym versehen. Bei anderen Netzwerken entfällt sogar der Austausch des Namens.
Demzufolge sollte man bei Netzwerken das Motto „mit Daten geizen“ nicht vergessen und besonders bei Informationen hinsichtlich der Privatsphäre mit Zurückhaltung glänzen.
Bilder von extensiven Veranstaltungen, sexuelle Vorlieben, politische Äußerungen oder Nacktfotos gehören nicht in soziale Netzwerke. Ebenso sollte man seine Anwesenheit in den Gruppen bedenken und auch seine Freunde gewissenhaft aussuchen
Wer sich sicher vor Datenmissbrauch schützen möchte, hat überdies die Möglichkeit sich über ein Pseudonym anzumelden.
Doch ist das der Grundgedanke von sozialen Netzwerken? Schließlich kann man dann nicht gefunden werden. Jedes Mitglied eines Netzwerkes bewegt sich stets auf einen schmalen Grat zwischen Informationsaustausch und Datenschutz.


