Den Sprung wagen?!

Mai 30th, 2009 15:46 von Redaktion in • Universität

JULIA CARSTENS

    Das Auslandssemester – Zeitverschwendung oder wertvolle Erfahrung? Erfahrungen einer IM- Studentin

    Ein Semester weit weg von zu Hause. Freunde, Verwandte und die lieb gewonnene Umgebung hinter sich lassen und für eine begrenzte Zeit einen Neuanfang wagen. Was für einige eine Horrorvorstellung darstellt, ist für andere der ganz große Traum. Eine, die es gewagt hat, ist Anja, Studentin „Internationales Management“ mit Schwerpunkt Dänisch. Über die Uni Sonderburg hat sie ihr 5. Semester an der University of Wisconsin in Eau Claire (USA) verbracht. Mein Besuch bei ihr entführt mich in eine amerikanisch anmutende Welt. Souvenirs und Erinnerungen an das vergangene halbe Jahr säumen das Wohnzimmer. Der Laptop birgt zahlreiche Fotoalben und Videos. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen sie gemacht hat und welche Tipps sie interessierten Studenten an die Hand geben kann.

    Auslandssemester

    CZ: Wie bist du auf die Möglichkeit gestoßen ein Auslandssemester zu absolvieren und wo hast du dich im Vorfeld informiert?
    Anja: Die Uni hat eine Infoveranstaltung zum Auslandssemester organisiert. Dort wurden Handzettel gereicht. Das hat schon gereicht, um mein Interesse zu wecken. Ein Auslandssemester war schon immer mein großer Traum!
    CZ: Was hat dich besonders an den Vereinigten Staaten gereizt?
    Anja: Die USA waren meine erste Wahl, weil ich die Sprache schon ganz gut beherrscht habe, das Land interessant finde und schon immer mal dorthin wollte. Als Studentin des Internationalen Managements standen mir aber viele Türen offen: viele europäische Länder, China, Australien, Kanada, Südamerika etc.. In den USA standen uns allein 5 Partneruniversitäten zur Auswahl, an denen wir ohne Studiengebühren studieren können.
    CZ: Und warum hast du dich dann für die University of Wisconsin entschieden?
    Anja: Die Uni war gar nicht meine erste Wahl. Die Zuordnung von uns Studenten verlief über den Notendurchschnitt, den man zu der Zeit hatte. Ich hatte einfach das Glück, dass nicht so viele Leute in die USA wollten, weil es halt doch sehr weit weg und teuer ist. Die University of Wisconsin war ursprünglich meine zweite Wahl. Alle Kommilitonen, die ins Ausland wollten, haben auch einen Platz bekommen. War der Notendurchschnitt nicht ausreichend, mussten einige jedoch auf andere Länder als gewünscht ausweichen.
    CZ: Wo hast du dich über deine Uni im Vorfeld informiert?
    Anja: Ich habe mich mit Studenten unterhalten, die schon einmal an der Uni waren. Außerdem habe ich mir natürlich die Homepage ganz genau angesehen. Dort konnte ich zwar sehen, wie es vor Ort aussieht, genaue Vorstellungen und Erwartungen hatte ich aber nicht. Im Nachhinein ist alles noch viel besser, als ich es mir hätte ausmalen können. Ich hatte wahnsinniges Glück an der für mich „richtigen“ Uni zu landen und nette Leute zu treffen, mit denen ich eine tolle Zeit hatte.
    CZ: Warst du eher in Kontakt mit deutschen Studenten oder mit Leuten aus anderen Ländern?
    Anja: Beides. Wir waren nur 7 oder 8 Deutsche mit denen ich auch in Kontakt stand. Wir waren eine große, internationale Gruppe. Zu Einheimischen außerhalb der Uni hatte ich eher wenig Kontakt, wenn man einmal von meiner Gastfamilie absieht, bei der ich meine erste Woche in Eau Claire verbracht habe. Man lernt über die Uni selbst so viele Leute kennen, dass man Kontakte außerhalb gar nicht braucht.
    CZ: War es einfach mit den anderen Studenten in Kontakt zu kommen?
    Anja: In den Kursen selbst trifft man nicht so viele Leute, die offen sind und auf einen zugehen. In vielen Seminaren waren die Kommilitonen eher verschlossen. Die meisten meiner Freunde habe ich in der Einführungswoche kennen gelernt, in der sich die einheimischen Studenten um uns gekümmert haben. Über die lernte man dann relativ schnell neue Leute kennen. Das wahre Leben spielte sich nach den Kursen ab!
    CZ: Der finanzielle Aspekt schreckt ja einige Studenten vor einem Semester im Ausland ab. Wie hast du dich finanziert?
    Anja: Von der Universität Sonderburg gab es für jeden Studenten ein Stipendium von 1.200 Euro. Damit habe ich den Flug und Versicherungen bezahlt. Den Rest musste man aus eigener Tasche bezahlen. Allein die Kosten für die Unterkunft im Wohnheim und das Mensa-Essen beliefen sich auf 2.400$ für das ganze Semester. Ohne eigene finanzielle Polster wäre mir das nicht möglich gewesen! Die Lebenshaltungskosten waren zwar nicht so hoch, wie erwartet, aber vor Ort kauft man manchmal doch mehr ein, als man eigentlich sollte. Im Monat bin ich insgesamt meist um die 700 Euro losgeworden.
    CZ: Wie hast du die persönliche Betreuung vor Ort empfunden? Hat dich die Uni Flensburg auch unterstützt?
    Anja: Die Betreuung war super, lief aber hauptsächlich über andere Studenten ab. Die Anlaufstellen der Uni habe ich in meiner Zeit nicht wirklich in Anspruch genommen. Als ich einen Kurs, den ich haben musste, nicht bekommen konnte, musste ich mich an die Uni Flensburg wenden. Die haben mir gesagt, was ich machen muss, also eher theoretisch geholfen.
    CZ: Wurde vor deinem Antritt vereinbart, welche Kurse du besuchen kannst und dir anrechnen lässt?
    Anja: Ja, genau. Vor meiner Reise musste ich mir eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass die Kurse aus den USA mir auch tatsächlich angerechnet werden. Die Uni hier hat mir gesagt, welche Kurse ich belegen sollte. Aus der Liste von der University of Wisconsin habe ich mir dann die Möglichkeiten herausgesucht. Meine Wahl wurde dann hier bestätigt.
    CZ: Hast du Unterschiede im Leistungsniveau der Kurse feststellen können? Fiel dir das Lernen dort leichter?
    Anja: Insgesamt habe ich fächertechnisch hier genauso viel geschafft, wie ich es in Flensburg hätte machen müssen. Ich habe 5 Fächer belegt, mehr durfte ich als Ausländerin nicht machen. Vom Niveau her war es weniger anstrengend als hier, auch weil die Art der Wissensvermittlung anders ablief. Der Unterricht war eher wie in der Schule. Der Dozent referiert und stellt dann Fragen. Das hatte nicht so einen Vorlesungscharakter wie oftmals hier in den Veranstaltungen. Gruppenarbeit fand auch wesentlich öfter statt. Das kannte ich von hier in diesem Ausmaß nicht. Das hat mir das Lernen wesentlich erleichtert. Als Klausur gab es meist „multiple-choice“ -Fragebögen zum Ankreuzen. Da konnte man zur Not auch einfach mal raten, wenn man sich nicht sicher war.
    CZ: Hast du noch Kontakt zu den Leuten aus deinem Semester? Oder war das auf die Zeit in den USA beschränkt und ist durch die weite Entfernung abgerissen?
    Anja: Zu einigen Mitstudenten habe ich auf jeden Fall noch Kontakt. Natürlich nicht zu allen, das wäre auf Dauer auch einfach zu anstrengend. Über „Facebook“ sind wir gut miteinander vernetzt und erzählen uns, was gerade so los ist.
    CZ: Und du persönlich, was hat sich durch das Auslandssemester für dich verändert?
    Anja: Es war auf jeden Fall eine positive Erfahrung. Ich bin jetzt mit mir mehr im Reinen. Wenn ich sage, ich mache jetzt etwas, dann stehe ich auch dazu. Dann bin ich auch zufrieden damit. Das wäre vorher vielleicht anders gewesen. Ich bin durch das Auslandssemester einfach viel selbstständiger geworden. Man muss lernen Dinge allein zu regeln, weil dir bei speziellen Sachen oft keiner helfen kann.
    CZ: Klingt ja schon einmal ganz gut. Hast du sonst noch Tipps für Interessierte? Was sollte man beachten, wenn man ins Ausland geht?
    Anja: Seid offen! Sprecht die Leute an, seid freundlich. Gerade in den ersten Wochen hilft es sich auch aufzuraffen, auch wenn man eigentlich gar keine Lust hat etwas zu unternehmen. Und passt auf, dass ihr nicht zuviel Geld ausgebt. Die Verlockungen sind riesig! Aber sonst habt einfach Spaß! Wenn ihr euch unsicher seid, ob ein Auslandssemester was für euch ist, macht es einfach! Bereuen wird man es nicht! Ich würde allen raten diese Herausforderung anzunehmen!
    CZ: Danke für das Gespräch!

    Informationen zu einem Studium an den Partnerhochschulen der Uni Flensburg, zu Finanzierung und Stipendienmöglichkeiten sowie zu praktischen Fragen bezüglich eines Auslandsaufenthaltes erteilt das „International Office“ auf dem Flensburger Campus.
    Ansprechpartnerin: Ulrike Bischoff Parker
    Sprechstunden: Dienstag, 9-13 Uhr, Raum ZV 104, o.n.V.
    Voranmeldung erbeten unter: int-office@uni-flensburg.de oder Tel.:0461/802774





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