Moldawien – das verlorene Paradies

Mai 30th, 2009 16:33 von Redaktion in Sonstiges

LILIANA SCHWABE

    Als der Gott aller Völker die Erde verteilt hat, war der Moldawier
    arbeiten. Er kam mit Verspätung, ermüdet von einem harten Tag. So blieb kein Land für ihn übrig. Aber als der Gott ihn so müde und erschöpft sah, hat es ihm Leid getan und hat ihm einen kleinen Teil des Garten Edens geschenkt. Darum wird Moldawien bis heute „Teil des Paradieses“ genannt, so wird es in einer alten Legende erzählt.

    In seiner Geschichte versucht Moldawien seine Identität festzulegen: als Teil der Provinz des Römisches Reiches Dacia, als Teil von Rumänien, als Teil der Ex Sowjetunion und als virtueller Teil der Europäischen Union. Moldawien wurde das Opfer der eigenen Geschichte. Zerstreut zwischen Nostalgie nach sowjetischen vergangenen Idealen und europäischer Zukunft könnte Moldawien sich als Führernder im Export von Frauen etablieren: Studentinnen, Hausfrauen, Putzfrauen, Geliebte und Prostituierte. Seit 1991 flüchten Millionen von Einwohnern in die Richtung der Neuen Welt, die Welt der Träume und Möglichkeiten. Öfter aber platzen die Träume, wenn der Status „Extrakommunitär“ oder anders genannt „außer EU- Staatsangehörige“ als eine Schande verfolgt. Moldawien wurde das Land der alten Menschen, der zurückgebliebenen Kinder, die mit den Nachbarn und Fremden aufwachsen und die eigenen Eltern nicht mehr erkennen können, der Männer, die in Depressionen, Alkoholismus und Verlust vom Selbstwertgefühl wegen der zerstreuten Familien enden, der Geschäftsleute, die mit Nervenzusammenbrüchen im Krankenhaus oder Gefängnis aufgeben und einer Regierung, die die Staatsführung als Familiengeschäft betrachtet. Moldawien wird von außen von den Auswanderern gebaut und von innen von den Politikern zerstört.

    Seit 8 Jahren in Deutschland, Studentin an der Flensburger
    Universität, Master of Management Studies, habe ich alle Veränderungen meines Heimatlandes seit der EU Erweiterung mit Interesse verfolgt und immer geglaubt, dass die Ausbildung in Deutschland später meinem Land nutzen könnte. Die letzten Ereignisse aus Moldawien haben die ganze Welt tief bewegt, aber noch mehr hat das Desinteresse der Europäischen Union und anderer Institutionen bewegt. Die EU wurde gleichzeitig zur Hoffnung und Barriere der Demokratie, des Friedens und der Freiheit. Als eine Insel zwischen West- und Osteuropa befindet sich Moldawien auf der Waage des Unentschiedens. Angst vor Russland oder Mitleid von Europa? Mehr als 70% der Einwohner haben historisches Anspruchsrecht auf rumänische Staatsbürgerschaft, 30% gehören offiziell zur EU. Der rumänische Präsident Traian Basescu hat verkündet „er werde es nicht zulassen, dass sich ein “neuer
    eiserner Vorhang” zwischen die Nachbarstaaten senke“ - und kündigte an, die Ausstellung rumänischer Pässe an 600.000 Moldauer zu forcieren. Nach dem dritten konsekutiven Wahlsieg der Kommunistischen Partei erschütterte eine Jugendrevolution die moldauische Hauptstadt Chisinau. Das Parlament und der Palast des Präsidenten wurden gestürzt, mehr als 10.000 Studenten und Studentinnen haben gegen Wahlfälschung, Medienmanipulation, das kommunistische System und Verletzung der Menschenrechte demonstriert und die Wiedervereinigung mit Rumänien unterstützt. Die Fahne von Rumänien und der Europäischen Union wurden das Symbol der Revolution. Die Revolution hat ein Aufwachen aus dem langfristigen Schlaf verursacht aber nicht ohne Schatten und Opfer. Auch diese Bewegung wurde zum Vorteil der Regierung ausgenutzt. Die von der Regierung manipulierte friedliche Demonstration, die sich in ein Inferno verwandelte, führte zu einer organisierten Plünderung und Zerstörung des Regierungsgebäudes, das zur Zeit aus Steuern und Geldwäsche im Auftrag einer Baufirma, die dem Präsidentensohn gehört, restauriert wird. Der Geheimdienst, ähnlich der Stasi, verfolgte alle Demonstranten und viele wurden am nächsten Tag verhaftet, geschlagen, gefoltert und missbraucht. In einem demokratischen, freien Land an der Grenze zur EU werden die Studenten aus den Universitäten direkt in der Vorlesung verhaftet, in Autos gesteckt und in unbekannte Richtungen gebracht. Dazwischen wurde auch ein Auto mit deutschem Kennzeichen aus Schleswig erkannt. Demonstrantinnen werden von den Polizisten direkt auf der Polizeiwache vergewaltigt. Die Leichen der Studenten werden den Eltern ohne Erklärung von der Polizei übergeben. Die Wahlkommission hat trotz aller Proteste den Sieg der Kommunistischen Partei mit 60% bestätigt. Ist das der Preis der Demokratie, der Preis für ein besseres Leben, der Preis für den Traum der EU Zugehörigkeit? Die Regierung hat ihre Ziele erreicht: eine demoralisierte, niedergeschlagene Nation. Was ist die Wahl der Moldawier: In der Heimat in einem diktatorischen Land zu leben oder sich in der EU nach einem Traum zu sehnen, aber in Elend und Niedergang zu gelangen?

    Die Europäische Union ist das Licht am Ende des Leidenstunnels. Dies ist ein Ruf zur Welt. Es ist ein schmutziges Spektakel, in dem die EU nur zuschaut und nichts unternimmt und andere Mächte weiter die Puppen tanzen lassen.

    Moldawien braucht nur frischen Wind, Aufmerksamkeit und Unterstützung, um der Vergessenheit zu entkommen. Dann wird das Land es aus eigenen Kräften schaffen die Tragödie zu beenden.





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