Wer die neuen Trends im E-Commerce setzt

Mai 30th, 2009 15:50 von Redaktion in Webtrends

LISA REINKE, VALERIE PSZOLLA

    Ebay, Amazon & Co. waren einst die Trendsetter des Online-Shoppings. Doch abseits dieser Plattformen entwickelt sich im Netz eine neue Shopping-Kultur. Mass Customization, Social- und Mobile Commerce und In-Video-Shopping sind die neuen Schlagworte. Good b(u)y 2008 – Willkommen im E-Commerce-Jahr 2009.

    In nahezu allen Lebensbereichen besteht der Wunsch nach Individualität. Der neue Konsument will persönliche Akzente setzen und eigene Stile entwickeln. Immer häufiger wollen sich Käufer durch individualisierte Produkte von der Masse abheben.
    Doch wie ist ein Angebot von individuell gefertigten Produkten ohne Verzicht auf die Effizienz der Massenproduktion möglich? Die Lösung heißt „Mass Customization“. Dem Kunden wird durch Variation verschiedener Merkmale wie z. B. Design und Passform eine nahezu eigenständige Gestaltung seines Produktes ermöglicht. Prinzipien der Massenanfertigung –Skaleneffekte und Automatisierung- bleiben unter Berücksichtigung. Der Kunde wird so zum Macher und Entwickler des auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Produktes. Von individuell angefertigten Schuhen (z. B. Nike) über Kleidung (z. B. Style Shake) bis hin zum selbst kreierten Parfüm (z. B. myparfuem.com): Der Trend des Mass Customization hat sich bereits in fast jeder Branche durchgesetzt und scheint kein Ende zu nehmen. Auf personalnovel.de ist es beispielsweise bereits möglich eigene Romane zu kreieren. Das personalisierte Buch bietet dem Konsumenten den Aufbau einer eigenen Geschichte mit personalisierten Daten, eigenen Fotos und Besetzung der Hauptrollen. Auch vor der Lebensmittelbranche macht der Trend nicht halt. Ob Kaffee, Tee, Schokolade, Müsli oder Wein: Nahezu alles lässt sich nach dem persönlichen Geschmack zusammen stellen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wie etwa eine Schokolade mit den Zutaten Chili, Basilikum, Kaffee und Meersalz schmeckt, lässt sich auf der Plattform deineschokolade.com ausprobieren.
    Nicht nur möchte der Konsument 2.0 selbst über die Gestaltung der Produkte bestimmen, sondern sich darüber auch mit anderen Konsumenten austauschen, Tipps erhalten und selbst Empfehlungen abgeben. So sind zahlreiche Plattformen für das sogenannte „Social Commerce“ oder auch „Social Shopping“ entstanden. Sie bieten dem Nutzer die Möglichkeit, sich von den Tipps und Vorschlägen anderer User inspirieren und zum Kauf eines Produktes anregen zu lassen. Einer der Trendsetter im Social Commerce ist der Geschenkefinder von edelight.de. Nach einer kurzen Beschreibung der zu beschenkenden Person erhält der User von anderen Nutzern Vorschläge für das passende Geschenk. Zudem haben sich bereits Plattformen gebildet, wo Einzigartiges zu finden ist. Angemeldete User verkaufen hier ihre eigens kreierten Produkte.
    Doch auch das Internet hat seine Grenzen. Denn schließlich hat nicht jeder immer und überall einen PC oder Laptop zur Hand. Ständige Mobilität ist daher erforderlich. Das Zauberwort heißt Mobile Commerce, mit dem User zeit- und ortsunabhängig Informationen abrufen und austauschen können. Seit Jahren versuchen Unternehmen, diesen Trend aufzugreifen. Mal eben schnell aus der Kneipe das Geburtstagsgeschenk für die Tante bestellen oder den Flug für den nächsten Urlaub während der Vorlesung buchen: Das ist mittlerweile problemlos möglich. Doch bei der User-Generierung klaffen Wunsch und Wirklichkeit noch weit auseinander. Hohe technische Anforderungen an die Endgeräte und damit verbundene hohe Kosten schrecken insbesondere Studenten von der regelmäßigen Nutzung dieser Angebote ab: Verschiedene Zielgruppen nutzen ihre Endgeräte auf unterschiedliche Art und Weise. Ohne jeglichen Internetzugang kommt beispielsweise das Snap Shopping aus. Ein Trend der erstmalig im September 2008 auf der OMD Düsseldorf vorgestellt wurde. Sieht man ein interessantes Produkt, wie z.B. ein Kleidungsstück kann der Nutzer es mit seinem Handy fotografieren und an eine Kurzwahl schicken. Kurz darauf erhält der potentielle Käufer eine SMS mit konkreten Informationen zum Produkt und der Möglichkeit des direkten Kaufs über das Handy. Ein Trend, von dem man bis heute jedoch nichts Neues gehört hat.
    Weitaus vielversprechender ist jedoch eine andere Entwicklung des E-Commerce. Sie knüpft genau dort an, wo die Bedürfnisse des Users entstehen - direkt beim Schauen eines Videos im Netz. Egal, ob Kochshow, Musik- oder Erotikvideo, überall entstehen Bedürfnisse, aus denen sich der Wunsch zum Kauf entwickeln kann. Und genau hier holt die Möglichkeit des In-Video-Shoppings den potentiellen Käufer ab. Wie logisch scheint es doch, die CD des Interpreten oder die Jeans des Lieblingsstars ohne langes Suchen direkt im Musikvideo zu kaufen? Und wie schön wäre es, das Essen aus der Kochshow direkt fürs Abendessen zu bestellen? Die Idee des In-Video-Shoppings hat erstmalig das Hamburger StartUp Cavi umgesetzt. Merchandising-Unternehmen haben die Möglichkeit, innerhalb eines Videos Kleidung, Accessoires und Fanartikel zum Kauf anzubieten. Während das Video weiterläuft, kann der Nutzer individuell nach seinen Bedürfnissen Produkte aus dem Online-Shop auswählen. Bisher wurde der Service nur im Bereich Musik und Fashion genutzt. Den Anfang machten Videos von „Monrose“ und dem Rapper „Curse“. Die Entwicklung ist an diesem Punkt jedoch noch längst nicht am Ende angelangt. Viele weitere Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar.
    Das E-Commerce bietet jedoch über das Online-Shopping noch eine weitere Möglichkeit –die Vermarktung und den „Verkauf“ der eigenen Person in Form von Videobewerbungen. Um im Kampf um den begehrten Job aus der Masse hervorzustechen, reicht eine Standardbewerbung heute kaum noch aus. Unternehmen wünschen sich kreative Mitarbeiter, die mit guten Ideen und Überzeugungskraft punkten. Was sich in einer klassischen Bewerbung nicht zeigen lässt, gelingt mit einer Videobewerbung umso besser. Mit Gestik, Mimik und überzeugendem Auftreten können Bewerber auf sich aufmerksam machen und ihre Kreativität unter Beweis stellen. Eine Videobewerbung ist somit der richtige Schritt um Personaler neugierig zu machen und hundertprozentige Aufmerksamkeit zu erzielen. Verschiedene Plattformen bieten die nötige Software zum Erstellen eines Videos (z.B. CVone, myjobvideo). Doch wer mit seinem Video wirklich erfolgreich sein will, sollte einige Hinweise beachten. Es geht nicht darum, den eigenen Lebenslauf zu wiederholen. Vielmehr sollte die Motivation für den Job deutlich werden. Innerhalb von etwa zwei Minuten soll der Personaler kurz, prägnant und inspirierend von der eigenen Persönlichkeit überzeugt werden. Dabei gilt es, authentisch zu sein. Ein seriöses und gut durchdachtes Video kann das Sahnehäubchen der Bewerbung sein. Aber auch Unternehmen, Organisationen und Hochschulen können die Möglichkeit der Videobewerbung zu ihren Gunsten nutzen. Sie können beispielsweise Videos in ihre Stellenanzeigen einbinden und so ihr Unternehmen präsentieren und die Anforderungen an die Bewerber erklären. So lässt sich bei zukünftigen Fach- und Führungskräften ein hohes Interesse erzeugen, sich zu bewerben.
    Dies sind nur einige Trends, die sich bisher aus dem klassischen E-Commerce entwickelt haben. Einige sind vielversprechend und werden in ein paar Jahren genauso selbstverständlich sein wie die Nutzung von Ebay und Co. Andere Trends wiederum werden genauso schnell untergehen wie sie gekommen sind oder durch neue Trends ersetzt werden.
    Doch eins ist sicher: Die Grenzen des Möglichen beim E-Commerce sind noch lange nicht ausgeschöpft.





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